Brennpunkt: Das erste WordPress Meetup (Berlin) für weibliche WordPress-Nutzer

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Was, das erste Female WordPress Meetup (Berlin) nur für Mädels und Frauen? Rebellion, Separation oder Community-Arbeit? Das Interview mit der Organisatorin Maja Benke klärt auf über Hintergründe, Ziel und Zweck der Veranstaltung.

Am 16. Februar 2017 fand es also statt, das erste weibliche WordPress Meetup in Berlin (und vermutlich auch deutschlandweit). Die Ankündigung wurde auf meetup.com veröffentlicht und richtete sich ausschließlich an WordPress-Nutzerinnen.

Das Besondere an offiziellen WordPress Meetups

Nun steht es jeder Person frei auf meetup.com Treffen jeglicher Art zu organisieren. Das Besondere in diesem Fall ist allerdings die Definition als „offizielles WordPress Meetup“, unterstrichen durch die Ankündigung innerhalb des Channels von WordPress Meetup Berlin auf meetup.com und der Listung auf wpmeetups.de (und somit auch hier auf der Website WordPress.org Deutsch unter /meetups) sowie auch auf make.wordpress.org (mehr über die Definition „WordPress Meetup“ erfährst du hier).

Der Code of Conduct

Offizielle WordPress Meetups haben sich freiwillig zur Einhaltung einiger von der WordPress Foundation definierten Regeln verpflichtet, die du hier in deutscher Übersetzung nachlesen kannst. Und auch die von der Foundation erklärten Erwartungen an eine Meetup-Organisation, niedergeschrieben in dem Code of Conduct, sind richtungsweisend.

In beiden Fällen steht die sinngemäß gleiche Prämisse: „Alle dürfen teilnehmen“, bzw. „… our community should be truly open for everyone. As such, we are committed to providing a friendly, safe and welcoming environment for all, regardless of gender, sexual orientation, disability, ethnicity, religion, preferred operating system, programming language, or text editor.“

Widerspruch Female WordPress Meetup?

Kann ein Female WordPress Meetup diese Vorgabe überhaupt erfüllen? Der Erfolg des Treffens sowie der Zuspruch (ruckzuck waren die verfügbaren Plätze belegt) bescheinigen diesem Format zuerst einmal zumindest eine Daseinsberechtigung.

Frauen in der IT-Welt

Um dieser Frage gerecht zu werden, muss man zwangsläufig etwas tiefer in die Thematik „Frauen in der IT“ eintauchen, denn WordPress fällt zweifelsohne in den Bereich der IT. Ich habe für dieses Interview vorab einiges recherchiert und finde, die Probleme von Frauen in der IT-Welt werden sehr gut in diesem Artikel „Arbeiten in der IT-Branche, wo bleibt ihr Mädels?“ zusammengefasst.

Frauenanteil, Studienplätze, Ausbildung, Chancen und (Nicht-)Förderung

Daraus einige Eckdaten (die sich auch mit anderen Quellen decken): Der Frauenanteil in der Informatikbranche liegt bei 15 Prozent, bei Studienanfängerinnen in Erstsemestern bei 25 Prozent (ein steter aber sehr langsamer Anstieg), bei Ausbildungsplätzen bei 9 Prozent und in der gesamten IT-Branche sind nur 6 Prozent der Top-Manager weiblich. Bei der alljährlichen bundesweiten Schülerumfrage gaben im Jahr 2016 nur 1,3 % der Mädchen als Interessensgebiet Informatik an. Die Hürden für weibliche IT-ler werden bereits in der Schule gesetzt, Studien zeigen, dass Lehrkräfte teils unbewusst das Vorurteil vermitteln, Mädchen würden Mathematik und Technik schlicht nicht können. Ein weiterer Punkt ist die Wahrnehmung des Berufsbildes Informatik, das auch heute noch häufig mit dem Image der Nerds behaftet ist.

Sexismus und ungerechter Lohn

Auch das Thema „Sexismus in der Branche“ greift der Artikel auf, welches zudem durch Berichte in der Mainstream-Presse (Beispiel) im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit angekommen ist. Die Studie 09/2016 der Bitkom, die halbjährlich durchgeführt wird, zeigt auf: 50 Prozent aller größeren Unternehmen gaben an, dass weibliche IT-ler einen niedrigeren Stundensatz als ihre männlichen Kollegen in derselben Position erhalten.

Außenseiterrolle Frau in der IT

Es ist nun wirklich nicht so, dass Frauen weniger begabt in IT-Fächern wären, wichtige Beiträge für die Entwicklung (in) der Informatik stammen von Frauen. Es ist leider oftmals so, Zitat (Ute Schmidt, Professorin der Informatik): „Frauen wählen Informatik häufig als 2. Weg (Anm. Studium), weil sie sich weniger zutrauen.“

Mit einem Zitat von Alexandra Gravilovska (studierte Informatikerin und Software-Entwicklerin) und einem weiteren Zitat aus dem Artikel selbst, möchte ich den Blick auf den Background „Frauen in der IT“ abschließen: „Wir brauchen immer mehr Energie, müssen uns mehr anstrengen, um zu beweisen, dass wir genauso gut programmieren, oder sogar besser. Wir können nämlich auch besser sein!“ und aus dem Artikel „Informatikerinnen sind in der Arbeitswelt immer etwas Besonderes, immer in der Minderheit, immer in der Außenseiterrolle. Darauf haben viele junge Frauen keine Lust.“

Und was hat das mit WordPress Meetup zu tun?

Beeinflusst das alles – bewusst oder unbewusst – die Wahrnehmung, bzw. die Vorstellung von Frauen, die WordPress privat oder beruflich einsetzen, in Bezug auf WordPress Meetups? Oder wie sonst lässt sich der rege Zuspruch des Female WordPress Meetups erklären? Es ist spannend, ob und welche Antworten Maja darauf für uns hat.


Interview

Hallo Maja, bitte stell dich erst einmal vor. Was machst du und was verbindet dich mit WordPress?

Maja BenkeIch bin seit ca. 2 Jahren selbstständige Webdesignerin und arbeite dabei ausschließlich mit WordPress. Zudem liebe ich die WordPress-Community, engagiere mich in den Tickets und in der Organisation vom WordCamp Berlin und dem Berliner WordPress Meetup.

 

Du hast ja meine „etwas“ ausführlichere Einleitung gelesen. Wie sind deine ganz persönlichen Erfahrungen als Frau in der IT-Branche? Und welche hast du in der WordPress-Community auf Meetups, WordCamps und online gemacht?

Da habe ich sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Meine Erstkontakte waren die Tech- und Startup-Meetups in Berlin gewesen, wo ich viele Kommentare einstecken musste, weil ich eine Frau bin. Das waren vor allem kleinere Sticheleien und „witzige“ Kommentare, aber auch häufig ernstgemeinte Fragen, wie man denn zu einem Tech-Event kommt.

Anstatt also über das Projekt zu reden oder über Fachliches, weswegen man ja da war, wurde der Augenmerk immer auf darauf gelenkt, dass man eine Frau ist und man kam kaum zum Inhaltlichen.

Leider waren sogar einige Grenzüberschreitungen im körperlichen Bereich dabei gewesen, das waren dann aber zum Glück Ausnahmen.

In der WordPress-Community habe ich ein viel offeneres Klima erlebt und eine viel größere Selbstverständlichkeit, dass Frauen ebenfalls einen großen Teil zu WordPress beitragen und zur Community gehören. Ich empfinde WordPress als wirklich sehr, sehr offen.

Was ich auch erlebt habe, war: Wenn es mal einen verbalen Ausrutscher und einen sexistischen Kommentar gab, dass diese sehr ernstgenommen und nicht toleriert wurden, sei es nun auf Meetups, auf Konferenzen oder auch online.

Leider hatte ich aber erst letzte Woche den Fall, dass ein WordPress-User, der zum WordCamp Berlin wollte, ein Riesenproblem mit dem Code of Conduct hatte, und uns sehr, sehr frauenfeindliche E-Mails geschickt hat. Es passiert also leider auch ab und zu, dass man von der Welt außerhalb von WordPress sowas einstecken muss.

 

In dem Podcast mit WP-Sofa sagtest du, das Female WordPress Meetup wäre eine sehr spontane Idee von dir gewesen. Weißt du noch, welche Gedankengänge dieser Idee vorausgingen, also welche Gründe dich dazu bewogen hatten?

Ja, das ist mir noch ganz gut in Erinnerung geblieben. Ich persönlich (und ich kann nun wirklich nur von mir sprechen) habe das Gefühl, dass seit dem Wahlkampf von Trump die Welt um mich herum Alltagssexismus wieder stärker zulässt. Ich meine ein Mann, der öffentlich so übergriffig gegenüber Frauen ist, wird Präsident? WTF! Da ich nun die politische Welt in den USA nicht ändern kann, habe ich mir überlegt, auf welche Dinge ich Einfluss haben könnte.

Zudem ist mir aufgefallen, dass wir in unserem Berliner WordPress Meetup recht wenige Frauen hatten, obwohl Bernhard und ich ein großes Augenmerk auf Gleichberechtigung während der Meetups gelegt haben.

Da ich die Geekettes kenne und ich weiß, dass das sehr gut ankommt, habe ich mir überlegt, das einfach auch mal für WordPress auszuprobieren.

 

Nach deiner Ankündigung des ersten weiblichen WordPress Meetups fandest du dich recht schnell im Erklär-, bzw. Rechtfertigungs-Modus wieder.

In den Kommentaren der Blogbeiträge von Jessica und Bernhard tauchten einige kritische Bedenken auf und im Slack-Channel der deutschsprachigen WordPress-Community wurde über die Vereinbarkeit mit dem Code of Conduct diskutiert. Hat dich das überrascht, oder sogar kalt erwischt?

Das hat mich eher kalt erwischt, wobei ich natürlich die Kritik über die Vereinbarkeit mit dem Code of Conduct sehr gut verstehen kann, und ich diese im Slack eher als eine gut geführte Diskussion empfunden habe.

Dagegen war aber auch Kritik dabei, die mir gezeigt hat, dass das Female Meetup tatsächlich sinnvoll ist und der Kern des Problems nicht gesehen wird.

So gab es zum Beispiel Stimmen, die gesagt haben, dass unser Berliner Meetup zu technisch sei und wir mehr Anfängerthemen anbieten sollten, um mehr Frauen anzusprechen. Dazu kann ich nur sagen – Frauen sind nicht gleich Anfänger, nur werden sie in der IT leider oft so gesehen, weshalb manche Frauen auch einfach kein Bock haben, zu einem Meetup zu gehen.

Ich hätte aber niemals damit gerechnet, dass das solche Wellen schlagen würde.

 

Neben dieser Kritik wurden auch Mutmaßungen über mögliche Gründe für das Stattfinden eines Female WordPress Meetup laut. Ich würde beides gerne der Reihe nach mit dir durchgehen.

Ein hier und da geäußerter Gedanke war, dass die Themenauswahl ein Problem darstellen könnte. Etwas, das mir persönlich nicht so ganz einleuchtet. Welche Themen sollten denn nichts für Frauen sein, es geht doch immer nur um WordPress? Was denkst du, Maja, werden Frauen oft als Anfängerinnen gesehen, denen man „schwierige“ Themen nicht zumuten kann?

Da habe ich diesen Punkt doch tatsächlich schon vorausgenommen. Ja, das waren leider einige Stimmen, die mich auch echt etwas wütend machen.

Leider ist es so, dass Frauen in der IT immer als Anfänger angesehen werden. Wir müssen in der IT häufig stärker beweisen, dass wir es draufhaben. Dadurch traut man sich manchmal auch gar nicht Fragen zu stellen, weil man Angst hat, gleich als inkompetent dazustehen.

 

Der nächste Punkt, der angesprochen wurde, ist ein „jerk-like-behavior“, das auch in den Meetup-Regeln thematisiert wird. Wer sich in Themenbereichen, die zumindest Nähe zur Programmierung haben, bewegt, ist vermutlich schon über diese Spezie „Götter in Bytes“ (wie ich sie gerne in Abwandlung von „Götter in Weiß“ nenne) gestolpert.

Sind diese mit Programmier-Weisheit gesegneten Menschen wirklich ein Problem auf WordPress Meetups? Und richtet sich ihre Art, die oft als Arroganz aufgefasst wird, gezielt gegen Frauen oder doch eher gegen jegliche unwissende Person? Wird solch ein Verhalten von der Meetup-Organisation überhaupt geduldet?

So ein Verhalten tolerieren wir auf unserem Meetup auf keinen Fall und ich habe es auch sonst in der WordPress-Community noch nicht erlebt, dass so ein Verhalten keine Konsequenzen gehabt hätte (und hatte es auch tatsächlich nur 2x erlebt).

Ich kenne dieses Verhalten aber leider aus der Tech- und Startup-Szene und kann natürlich nur mutmaßen, ob dieses Jerk-Verhalten sich gegen Frauen, gegen unwissende Personen oder vielleicht gegen alle Menschen richtet, die der „Jerk“ als sich unterstellt ansieht.

Das „Mans-planing“, also wo ein Mann einer Frau etwas erklären will, obwohl sie sich bestens (und manchmal sogar besser als der Mann) damit auskennt, kenne ich aber leider zu Genüge.

Ich persönlich bin da auch sehr empfindsam, was arrogantes und überhebliches Verhalten angeht, und kann es überhaupt nicht leiden.

 

Bernhard schrieb in seinem Blogbeitrag über einen „geschützten“ Raum für Frauen. Müssen Frauen denn überhaupt „geschützt“ werden und wovor?

Uff, schwer zu beantworten. Sagen wir mal so, wir müssen, glaub ich, nicht im klassischen Sinne „geschützt“ werden. Es ist jedoch schön, nicht immer die eine Frau unter Männern zu sein und zu versuchen, sich als Frau in einer Männerwelt zu behaupten (denn ich habe das Gefühl, dass dort andere Werte zählen als unter Frauen). Man kann offener reden, und viele trauen sich eher Fragen zu stellen.

 

Des Weiteren wurde in den Kommentaren argumentiert, ein Female WordPress Meetup würde eine Grenze in den Köpfen ziehen und Frauen in eine Sonderrolle manövrieren. Natürlich bedeutet eine Separation gleichzeitig auch, eine Grenze zu ziehen. Doch entsteht die Sonderrolle durch die Reaktion auf eine Ursache, oder ist sie bereits Teil der Ursache (Frauen in der IT-Branche)?

Meine Absicht mit dem WordPress-Female Meetup war, einen ersten Kontaktpunkt zur WordPress-Community zu schaffen und zu verdeutlichen, dass wir Frauen in der WordPress-Community mit offenen Armen empfangen und diese auch unterstützen.

Auf dem „regulären“ Meetup nach dem Female Meetup hatten wir übrigens 40 % Frauenanteil und viele kamen auch aus dem Female Meetup (davor waren wir immer nur so 10-20 %). Ich glaube also nicht, dass es zu einer Separation und Geschlechtertrennung führen wird, sondern eher der erste Kontaktpunkt zur Community ist, und WordPress so noch diverser wird.

Man kann aber auch nicht leugnen, dass es in der IT nicht immer einfach ist für Frauen, und als WordPress-Community sind wir auch Teil der IT-Welt. Woher soll Frau also wissen, dass die WordPress-Community sehr offen ist für Frauen, wenn sie bisher nur Erfahrungen in der IT gemacht hat.

 

Kommen wir auf den Teil des Code of Conducts zu sprechen, der besagt: „Alle dürfen teilnehmen“.

Thomas Brühl (00sleepy) hat nach Diskussion mit dem Community Deputy Team folgende Aussagen erhalten, unter denen das autorisiert würde: „Solange es ein zusätzlicher Meetup Termin ist und nicht der alleinige und wenn das Meeting nicht exklusiv für Frauen ist, sondern zum Beispiel: Dieses Meetup ist für alle von WordPress begeisterten Frauen und alle die diese unterstützen offen.

Bedeutet das, andere Female WordPress Meetups können nur in Regionen entstehen, in denen bereits offizielle WordPress Meetups abgehalten werden?

Ich würde sagen: Ja. Wenn es noch kein WordPress Meetup in einer Region gibt, dann sollte man schon allen die Möglichkeit geben, daran teilzuhaben.

Ich würde aber gerne noch auf einen anderen Teil zu sprechen kommen, nämlich „Dieses Meetup ist für alle von WordPress begeisterten Frauen und alle, die diese unterstützen offen.“ – Ich finde, es sollte selbstverständlich sein, dass man in einer Community jeden unterstützt, egal ob Frau oder Mann. Wenn wir dazu ein Female Meetup bräuchten, dann hätten wir echt ein Problem in der Community, was aber zum Glück nicht der Fall ist, und ich auch weiß, dass es von Thomas nicht so gemeint war.

 

Nun wurde das Female WordPress Meetup Berlin nach der Ankündigung vermehrt als „quasi Lehrgang“ für das echte WordPress Meetup (in dem sich alle treffen) kommuniziert. Ist, bzw. war das wirklich dein primäres oder sogar einziges Ziel, Frauen für „echte“ WordPress Meetups zu mobilisieren?

Wir meinten eher, dass es ein Testversuch für ein zusätzliches Female Meetup ist. Ob da Bedarf da ist, wie die Frauen das sehen, in welcher Form wir das organisieren wollen, und ob es dafür Zuspruch gibt.

Aber ja, mein primäres Ziel ist, Frauen zu stärken und mehr Frauen in die Community zu integrieren. Das Female Meetup kann als erste Anlaufstelle für die WordPress-Community wirken.

 

Ist nicht eher die Perspektive verkehrt, unter der das weibliche WP Meetup von Vielen betrachtet wird? Wäre es ein „Senioren WordPress Meetup“ oder ein „WordPress Meetup für Jugendliche“ oder ein „WordPress Meetup für Programmierer“ hätte solch eine Diskussion überhaupt stattgefunden?

Könnt ihr denn nicht einfach ein Meetup machen, mit dem Ziel „Frauen, die sich über WordPress austauschen wollen“ zusammenzubringen und der Randnotiz, dass niemand an der Tür abgewiesen wird und auch männliche Speaker jederzeit herzlich willkommen sind?

Was spricht gegen autonome Meetups, die sich dann untereinander einfach vernetzen und so zusammen auch die WordPress Community bilden?

Ich denke, dass das Gender-Thema schon relativ stark aufgeheizt ist, da es einfach so viele Bereiche im Leben, vor allem auch im privaten, betrifft, dass das zu dieser recht starken Diskussion geführt hat.

Ich denke, es ist ein schöner Gedanke von den autonomen Meetups, die sich untereinander einfach vernetzen, aber man darf dabei nicht vergessen, dass es viel Arbeit ist, ein Meetup zu organisieren und dies auch oft erst Leute machen, die schon in der Community drin sind.

 

Nun zu der spannenden Frage, wie das erste Female WordPress Meetup verlaufen ist. Wie viele Frauen haben teilgenommen und wie viele davon waren bereits auf einem „echten“ WordPress Meetup?

Es waren ca. 18 Frauen da und 3 Frauen waren vorher auf einem regulären Meetup gewesen.

 

Wurden dir Gründe genannt, ob und wieso die Teilnehmerinnen ein Meetup unter Frauen bevorzugen?

Ja, danach hatte ich auch explizit gefragt. Bei vielen kam die Antwort, dass die Motivation einfach nicht groß genug war für ein reguläres Meetup und auch der Gedanke, dass dann dort nur „Nerds“ sitzen würden, und sie sich etwas fehl am Platz fühlen würden.

Für das Female Meetup sprach für sie dann tatsächlich der Austausch und das Vernetzen mit anderen Entwicklerinnen (übrigens kennt mein Rechtschreibprogramm nur das Wort „Entwickler“ und nicht „Entwicklerin“) und dass die Scheu niedriger war Fragen zu stellen, wenn es ein Female Meetup ist.

 

Haben Frauen über negative Erfahrungen in der IT-Branche generell berichtet?

Nicht wirklich, weil wir dieses Thema auch nicht thematisiert hatten. Wir wollten den Abend eher positiv gestalten.

 

Haben Teilnehmerinnen negative Erfahrungen in der WordPress-Community offline (Meetups, WordCamps) oder online gemacht?

Nein, da kam auch tatsächlich das Feedback einer Teilnehmerin, dass das reguläre Meetup sehr offen ist und auch alle Fragen gleichwertig beantwortet wurden.

 

Wünschen sich die Teilnehmerinnen die dauerhafte Fortführung dieses Formates (weibliches WordPress Meetup)?

Ja, das Meetup fand regen Zuspruch und wir wollen es alle 2 Monate stattfinden lassen.

 

Liebe Maja, wie sind deine weiteren Pläne? Soll das Female WP Meetup lediglich als Einstieg für das „echte“ WP Meetup fungieren, oder sich als eigenständiges dauerhaftes Event „weibliches WordPress Meetup“ etablieren?

Wirst du den Diskurs mit dem Community Deputy Team von WordPress.org aufnehmen und hinterfragen, ob der Fokus nicht eher auf WordPress selbst gesetzt werden sollte und WordPress Community auch oder gerade mit Diversität funktioniert, solange ein stabiles Netzwerk die Gruppen verbindet?

Das Female Meetup soll weiterhin ein reines Frauen-Meetup bleiben, da wir eine Umfrage im Meetup gemacht haben, wie wir das Format handhaben wollen. Dabei kam das Feedback, dass den meisten eine reine Frauenrunde lieber wäre.

Ich habe dies nun mit einigen Personen aus der Community abgesprochen und grünes Licht bekommen, da wir auch ein monatliches Meetup für alle haben.

Das Female Meetup sehe ich eher als Addon zum regulären Meetup, und Ziel ist es natürlich, die Diversität in WordPress selbst zu steigern. Jedoch muss man dafür auch Kontaktpunkte schaffen und Menschen erstmal für die Community begeistern.

Im Sommer werde ich auch am WordPress-Community-Summit teilnehmen und diese Fragen noch weiter besprechen.

 

Ich kann mir vorstellen, dass die Antwort in der momentanen Situation nicht leicht sein dürfte. Hast du dennoch einen Tipp für Frauen, die sich ein Female WordPress Meetup in ihrer Region wünschen?

Startet eins, am besten in Absprache mit der Community. Dafür kann man mich gerne oder auch Thomas Brühl (00Sleepy) kontaktieren und nachfragen, wie man dieses am besten gestalten kann. Aber ich finde, es kann nicht genug WordPress-Events und Meetups geben.

 

Maja, ganz herzlichen Dank für das Interview und auch für deinen Mut, neue Wege zu beschreiten.


Liebe WordPress Community, liebe Mädels, Jungs, Frauen und Männer, wie ist eure Meinung dazu? Diskutiert doch einfach darüber hier im Kommentarbereich.

Ein Gedanke zu „Brennpunkt: Das erste WordPress Meetup (Berlin) für weibliche WordPress-Nutzer“

  1. Nur zur Ergänzung, weil ich’s heute in meinem RSS-Feed gefunden habe: http://torquemag.io/2017/03/creating-best-wordpress-community/
    mit dem Verweis auf: https://womenwhowp.org

    „What’s special about Women Who WP?
    No, maybe you don’t need to go to a Women’s group. But the fact of the matter is this: women interact differently. We tend to give social details when describing our issue. We’re storytellers. We build relationships.“

    Und von letzterem, meine Herren, können wir nur lernen!

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