Support » Themes » Blog Optionen wirkungslos?

  • Anonymous User 20597857

    (@anonymized-20597857)


    Obacht, das ist für viele eine sicher dumme Frage! Aber da ich nicht mal googleweit was brauchbares dazu finde – hier die Frage:

    Was bedeutet „Blog“ im Zusammenhang mit (klassischen) WP Themes eigentlich wirklich?

    Warum ich das nach gefühlten 99 Jahren mit WP noch fragen muss?
    Weil keiner, den ich kenne, bisher je ein Blog haben wollte, sondern immer eine „Website“.
    Also Theme aussuchen > Startseite / Beitragsseite definieren und das zum Theme passende Startseiten-Template einstellen. Dann Childtheme basteln usw.

    Jetzt will einer nur ein „Blog“.
    Und die Themes, die da gefallen, bieten unter dem Abschnitt „Blog“ (oder so) oft umfangreiche Customizer-Optionen.
    Aber:
    Ich bekomme es nie hin, dass diese „Blog“-Seiten auch irgendwo erscheinen. Nein, auch das „Archiv“ oder eben die Seite, welche „die Beiträge anzeigt“ zeigen sich damit anders. Egal ob man in den Einstellungen „Deine letzten Beiträge“ oder „statische“ Seite einstellt – nix.

    Wofür sind also die oft als recht toll beschriebenen und grandios bebilderten Layouts im Abschnitt „Blog“ gut?

    Manche schreiben, man müsse hier die jeweils empfohlenen Page-Builder nutzen oder in die functions.php. usw. Naja, obwohl ich keine Page-Builder mag, hab ich die aktiviert – doch die haben mir da auch nicht weitergeholfen.

    Also egal was man mit welchem Theme auch anstellt: Die kolportierten Wirkungen dieser „Blog“ Optionen bleiben unsichtbar …
    Was verstehe, bzw. mache ich falsch?

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  • Moderator Bego Mario Garde

    (@pixolin)

    Laut Wikipedia handelt es sich bei einem Blog um eine Wortkreuzung aus englisch Web und Log für „Logbuch“ oder „Tagebuch“. Ursprünglich ist WordPress aus einer reinen Blogging-Software entstanden, die Matt Mullenweg geforkt und mit anderen weiterentwickelt hat, weil er ein Instrument suchte, um seine Gedanken und Fotos schnell im Internet veröffentlichen zu können. Statische Webseiten hatten dabei eher die Aufgabe, ein Impressum und eine „Über mich“-Seite abzubilden.

    In WordPress 3.0 kamen die so genannten „Custom Post Types“ hinzu, mit denen alle möglichen Inhaltstypen wie Events, Produkte, Bücher, Filme usw. in getrennten Menüs erfasst und zu Webseiten zusammengefasst werden konnten. WordPress wurde damit bereits im Juni 2010 zu einem vollwertigen Content Management System, mit dem sich unterschiedliche Inhaltsarten verwalten und als Webseiten veröffentlichen lassen. Der Anspruch wird selbst heute noch von manchen bestritten, die verächtlich von „der Blogging-Software“ sprechen und dabei wahrscheinlich auch die Marktanteile von WordPress ein wenig außer acht lassen.

    Der Wunsch „Jetzt will einer nur ein „Blog“.“ ist vermutlich schwerer umzusetzen, weil erfahrungsgemäß zumindest Datenschutzerklärung und Impressum als nicht dynamisch zusammengesetzte Inhalte hinterlegt werden müssen. Ich würde das aber eher als „Meine laufenden Beiträge sollen im Vordergrund stehen“ interpretieren.

    Wer jemals den dramatischen, autobiografischen Bericht der mit Suizid endenden Krebserkrankung des Autors und Künstlers Wolfgang Herrndorf („Arbeit und Struktur“) gelesen hat, weiß, dass ein Blog auch ohne optische Reize auskommt und dabei einen hohen literarischen Anspruch hat.
    Oft wird aber der Wunsch geäußert, das Layout von Blogbeiträgen granular zu ändern und insbesondere die Startseite mit einer Sammlung von Featured Images interessanter zu gestalten. Große Medienhäuser wie der Spiegel sind da ein Vorbild – auch die Berichterstattung von Spiegel Online hat den Charakter eines Blogs mit einzelnen Beiträgen, Textauszügen, Beitragsbildern, Gruppierung in Kategorien usw.

    Ältere Themes haben für die Startseite ein eigenes Template, dessen Inhalte im Customizer zugewiesen werden können. In dem Fall kann eine statische Seite als Platzhalter erstellt werden, der das Template „Startseite“ zugewiesen wird und die dann unter Einstellungen > Lesen statt einer „langweiligen“. In den neuen Block-basierten Themes lässt sich die Startseite im Website-Editor als eine Mischung aus statischen und dynamisch aggregierten Inhalten festlegen, wobei durch die Möglichkeit, Kategorien, Schlagwörter oder auch Custom Post Types zu verwenden, eine Gruppierung möglich ist.

    Wenn du dir das frühere, inzwischen veraltete Theme Twenty Ten anschaust, siehst du, dass Blogs „wie mit der Schreibmaschine“ in einspaltigem Satz geschrieben wurden und bis auf eine Auflockerung mit Grafiken und Absatzschaltungen wenig Gestaltungsspielraum gelassen haben. Das wurde von vielen Anwendern als unbefriedigend empfunden, weil die Webseiten mit Printmedien verglichen wurden, die oft einen mehrspaltigen Satz mit viel Weißraum als Gestaltungsoption nutzten.

    Ein erster Ansatz war, die für einen mehrspaltigen Satz notwendigen HTML-Tags mit CSS-Klassen in Form von Shortcodes umzusetzen. Diese Shortcodes waren aber fehleranfällig (ein Tippfehler reichte, um das Layout durcheinander zu bringen) und wenig benutzerfreundlich. Daraus entstanden dann so genannte Page Builder Plugins, die zumindest in der Anfangsphase die Performance von Webseiten beeinträchtigt haben und vor allem proprietär waren – Page Builder waren nicht kompatibel und ein Wechsel zu einem anderen Page Builder bedeutete meistens, dass die Website komplett neu aufgesetzt werden musste.

    Parallel zu den Page Buildern entstanden Multi-Purpose-Themes, die für beliebige Zwecke einsetzbar sein sollten: Ein Theme, das durch individuelle Einstellungen für einen Blog, eine Unternehmenswebseite, ein Portfolio eines Künstlers, einen Webshop usw. einsetzbar sein sollte. Diese Themes widersprechen dem WordPress-Mantra, dem Anwender „Decisions, not Options“ zu präsentieren. Sie haben aber zumindest bei der Performance enorm aufgeholt und bieten tatsächlich viel gestalterischen Spielraum, erfordern aber meiner Meinung eine gute Konzeption, wenn man sich nicht im Dickicht der Einstellungen verheddern will.

    Der als Projekt „Gutenberg“ aufgesetzte Block-Editor sollte die verschiedenen Tendenzen zu (oft proprietären) Page Buildern und Multi-Purpose-Themes zu einem neuen Layoutansatz vereinen. Der Editor hat – mit gigantischem Aufwand durch die WordPress-Community – bisher (die Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen) gute Fortschritte erzielt und bietet nun allen Anwendern so viel Gestaltungsspielraum, wie sie möchten. Wer wirklich nur ein „Web-Tagebuch“ schreiben möchte, wird sich an den Einstellungsmöglichkeiten wenig stören; wer seine Seiten grafisch aufpeppen muss, um vielleicht auch inhaltliche Defizite auszugleichen, kann auf den Webseiten manchen optischen Reiz einbauen. Was das Herz begehrt.

    Für deinen konkreten Fall dass jemand mit der Erstellung eines Blogs droht, würde ich hinterfragen, was die Zielgruppe sein soll und welche Wirkung mit dem Blog erreicht werden soll. Ein Mediziner wird eine andere Website wollen, als ein Künstler, eine Interessengemeinschaft, ein Verein … Mach was draus.

    Thread-Starter Anonymous User 20597857

    (@anonymized-20597857)

    Danke für die lange Abhandlung, die ich mir sicher noch mehrmals durchlesen muss. Ja, einiges weiß ich über die WP Geschichte. Gottseidank gehört man zu einer Generation, welche auch diese Anfänge schon mittendrin, statt nur dabei, erleben durfte.

    Okay, damals setze ich noch auf selbst geschnitzte Sites mit Eigenbau-CMS, beobachtete die Entwicklung aber weiter und hatte sicher jeden großen Versionssprung am XAMPP zum Test. Doch diverse Sicherheitsprobleme ließen mich noch lange bei den eigenen Codes bleiben … So um 2011/12 staunte ich dann, was aus der ehem. kleinen Blog-SW für ein CMS wurde.

    die verächtlich von „der Blogging-Software“ sprechen

    wissen nicht einmal, woraus die Sites gemacht sind, aber reden …

    Der Wunsch „Jetzt will einer nur ein „Blog“.“ ist vermutlich schwerer umzusetzen, weil …

    Ja, eh klar.
    Das ist nicht mein Problem.

    Mein Problem sind die bunten, großspurigen Werbeversprechen der Theme-Hersteller, welche da eine Menge „Blog“ Optionen zeigen (und auch im Customizer sind), aber die nirgends eine Wirkung zeigen. (*)
    Ja, die „Seite, die deine letzten Beiträge anzeigt“ zeigt das auch so. Doch dazu braucht man doch keine 99 groß beworbenen Optionen. Die listet alles untereinander, fertig.

    Multi-Purpose-Themes, …haben aber zumindest bei der Performance enorm aufgeholt und bieten tatsächlich viel gestalterischen Spielraum, erfordern aber meiner Meinung eine gute Konzeption, wenn man sich nicht im Dickicht der Einstellungen verheddern will.

    Mir sind die Optionen immer zu wenig. Selbst die größten Multi-Themes habe ich in 5 Minuten fertig überschaut.
    Ganz anders das „Weaver Extreme“: das Optionen-Monster kann einen WP-Neueinsteiger sicherlich überfordern. Aber damit kannst alles erreichen und so lahm isses auch nicht. Kommt halt immer darauf an, was einer will …

    wer seine Seiten grafisch aufpeppen muss, um vielleicht auch inhaltliche Defizite auszugleichen

    Sehe ich nicht so. Ich z.B. liebe grafisches Aufpeppen. Aber als Mitglied der schreibenden Zunft nicht unbedingt, um Defizite auszugleichen.
    OT: Ich backe auch gerne Torten und auch wenn meine Werke extrem gut schmecken – ich muss sie doch auch schön verzieren. 😉

    dass jemand mit der Erstellung eines Blogs droht

    „droht“? Mache ich doch gerne, wenn man mich mit Geld dazu zwingt.
    Ne, das wird schon ne schöne Site, falls ich den Auftrag bekomme.
    (Deswegen mache ich auch gerne Designstudien mit Mulit-Themes, weil man damit auf einer Site alle möglichen Varianten herzeigen kann. Dann zeigt sich manchmal: Ein leichteres Theme kann das auch so gut, passt, gekauft.)

    *) Denke, bez. des titelgebenden Problems werde ich mit den einzelnen Theme-Herstellern reden müssen.

    Danke jedenfalls für diese Geschichte!

    Moderator Bego Mario Garde

    (@pixolin)

    Ja, die „Seite, die deine letzten Beiträge anzeigt“ zeigt das auch so. Doch dazu braucht man doch keine 99 groß beworbenen Optionen. Die listet alles untereinander, fertig.

    Deshalb gibt es dann oft (nicht immer) ein Startseitentemplate, dass eine Mischung aus im Customizer ausgewählten Inhalten zu einem lockeren Potpourri zusammensetzt. Nutzt du das Template nicht, werden die Beiträge einfach in chronologischer Reihenfolge ausgespuckt.

    Danke für die lange Abhandlung, die ich mir sicher noch mehrmals durchlesen muss.

    Ja, sorry – passiert mir immer wieder, dass ich zu weit aushole. Mir erschließen sich allerdings viele Dinge mit Blick auf die Entwicklung besser, z.B. wieso sich alles in WordPress um einen „Post“ dreht.

    Page Builder und Multi-Purpose-Theme-Templates waren für mich die Stichworte und die sind das Ergebnis aus dem Wunsch, Beiträge mehr wie in einem Magazin darzustellen. (Besonders hübsch umgesetzt auf theatlantic.com, wobei das keine WordPress-Website ist.)

    … dass jemand mit der Erstellung eines Blogs droht …

    … war als Scherz gemeint: „Kunde droht mit Geschäft“ (und alle zucken erschrocken zusammen).

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