Nehmen wir an, es gibt ein Verzeichnis /kunde42/htdocs mit einer vorhandenen Website. Du möchtest jetzt für eine neue Domain example.com auf dem gleichen Server eine WordPress-Installation einrichten. Dazu legst du ein ganz neues Verzeichnis /kunde42/wp an und weist der Domain dieses Verzeichnis als Web-Stammverzeichnis zu.
Für den Webserver sieht es jetzt so aus, dass bei Aufruf der Domain von https://example.com im Verzeichnis /kunde42/wp/ nach einer Datei index.html oder index.php gesucht wird, um dann den Inhalt an den Browser des Webseitenbesuchers weiterzugeben. Ruft der Webseitenbesucher die URL https://example.com/wp/ (mit angehängtem wp) auf, schaut der Webserver nach Inhalten im Unterverzeichnis /kunde42/wp/wp/ (= Web-Stammverzeichnis /kunde42/wpmit angehängtem, nochmals vorkommenden /wp).
Dass bei Aufruf deiner Website das wp mit angegeben werden muss, lässt nur im Umkehrschluss vermuten, dass die das Web-Stammverzeichnis auf /kunde42 statt /kunde42/wp gesetzt hast. Der Webserver findet deshalb für die URL https://example.com/ keinen Inhalt (dort liegt keine index.php/html) und du musst um die Webseiten angezeigt zu bekommen jedesmal den Pfad wp mit angeben (also https://example.com/wp), um die WordPress-Seiten aufrufen zu können.
Von Einsteigern wird häufig der Fehler gemacht, dass sie das ganze Verzeichnis wordpress in das Web-Stammverzeichnis legen. Sie beschweren sich dann, dass ihre Webseite mit Aufruf der URL nicht angezeigt wird und statt dessen immer wordpress mit eingegeben werden muss (kommt dir bekannt vor?). WordPress ist, weil das Verzeichnis (und nicht die Dateien aus dem Verzeichnsi) hochgeladen wurde, nur über https://example.com/wordpress/ erreichbar – oder du musst vor der anschließenden Installation das Web-Stammverzeichnis /kunde42/wordpress der Domain zuweisen. Dass lässt sich auch nachträglich ändern, indem du unter Einstellungen > Allgemein die Website- und WordPress-URL in https://example.com (ohne wordpress) änderst und dann die Dateien aus dem Verzeichnis /wordpress in das nächsthöhere Web-Stammverzeichnis verschiebst.
Ist die Verwirrung schon komplett? Falls nicht: du kannst WordPress auch ein eigenes Verzeichnis geben! Dabei lässt du die Dateien im Unterverzeichnis wp (oder wordpress), obwohl die Seite über https://example.com/ (ohne wp!) erreichbar sein soll.
Danach sind nur drei kleine Anpassungen nötig:
- du kopierst die
index.php in das Web-Stammverzeichnis /kunde42 und änderst die letzte Zeile auf
require __DIR__ . '/wp/wp-blog-header.php';
(also mit vorangestelltem /wp, weil dort ja die WordPress-Dateien liegen).
- du verschiebst die
wp-config.php aus dem Verzeichnis wp in das Web-Stammverzeichnis /kunde42, brauchst aber nichts mehr daran ändern.
- du erstellst eine neue
.htaccess, meldest dich über https://example.com/wp/wp-login.php im Backend an und sicherst die von dir gewünschte Permalinkstruktur.
Das Backend ist dann immer über https://example.com/wp/wp-login.php erreichbar, die Mediendateien liegen unter https://example.com/wp/wp-content/uploads/ – alles mit wp! – aber die Website selber ist unter https://example.com erreichbar und z.B. eine Unterseite „Kontakt“ über https://example.com/kontakt (beides ohne wp).
Der Vorteil, WordPress ein eigenes Verzeichnis zu geben, liegt darin, dass du in anderen Verzeichnissen noch weitere Webanwendungen installieren kannst und sie nicht in die WordPress-Dateien hineinkopieren musst, was ziemlich chaotisch wäre.